Glück auf im Erzgebirge! Mit knapp 70 motivierten FahrradfahrerInnen und einer Wettervorhersage, die irgendwo zwischen „wird schon“ und „ziehen wir halt öfter die Regenjacke an“ pendelte, ging es auf 200km feinsten Wegen in Richtung Fichtelberg.

Es ist Ende August und der versammelten Mannschaft schlottern die Knie – man möge meinen vor lauter Aufregung, aber es war dann doch die Kälte, denn es zeigen sich nur knapp 10 Grad auf dem Thermometer.
Deshalb sind alle froh, als es kurz nach acht endlich los geht. Vor uns liegen 200 Kilometer und rund 3.500 Höhenmeter. Entspannt geht es aus Freiberg hinaus, über kleine Straßen und erste Plattenwege. Das Feld ist noch ruhig, Beine und Köpfe finden ihren Rhythmus. Die ersten Kilometer bis zum Checkpoint 1 laufen entspannt und langsam fällt auch die Anspannung der letzten Tage von uns ab.

Foto: Lina M.

Foto: Lina M.

Der erste Checkpoint ist nach 37 Kilometern fix erreicht. Man muss aber die Augen offen halten, denn die kleine Höhenangabe auf einem Wegweiser will nicht gleich ins Auge springen. 585 Höhenmeter dürfen ins Kärtchen eingetragen werden. Danach führt die Strecke weiter vorbei an der Burg in Scharfenstein, über Plattenwege in stetem Auf und Ab in Richtung Ehrenfriedersdorf. Die Sonne lacht und man ist versucht die Weste offen flattern zu lassen.
Checkpoint 1 | 37km | Wegweiser | Auf welcher Höhe befindest du dich?
– 585müNN –



CP 2 erwartet uns nach 57 Kilometern an bzw. in der Bäckerei Bräunig. Hier herrscht großes Hallo. Viele Teilnehmende treffen wieder aufeinander, man tauscht kurze Erlebnisse aus, lacht und freut sich auf einen gemütlichen Stop. Der Chef persönlich mischt sich ins Treiben und hilft beim Stempeln der Brevethefte. Kaffee und Kuchen sorgen für neue Energie. Die samstägliche Stammkundschaft reiht sich zwischen die bunte Fahrradgesellschaft und so mancher wirft einen ängstlichen Blick in Richtung Kuchentheke: Wird es reichen? Bekomm ich meine geliebte Eierschecke? Die sehen hier alle so verfressen aus 😀 Aber keine Sorge: die Bäckerei ist bestens vorbereitet und keine Wünsche bleiben offen. Nach und nach brechen alle wieder auf und schon der nächste Anstieg mit über 10% zerreißt das Feld in lauter bunte Punkte.
Checkpoint 2 | 57km | Bäckerei Bräunig
– Stempel –

Foto: Lina M.




Weiter geht es zum CP 3 an der Talsperre der Freundschaft in Cranzahl. Noch ist das Wetter trocken und die Landschaft beeindruckt jeden, der den Blick auch einmal schweifen lässt: die grünen Täler werden von dem umliegenden Fichtelberg, Pöhlberg und Scheibenberg umrahmt und begleiten uns optisch über viele Kilometer.
Am Checkpoint wird notiert: 29 Meter – die Tiefe der Talsperre. Danach geht es zügig weiter. Nach einem kurzen Anstieg rollen wir erst einmal lange bergab in Richtung Bärenstein, bevor wir auf weiteren Plattenwegen erneut den Pöhlberg bewundern können. Inzwischen gehört das An- und Ausziehen der Regenjacken fast schon zur Routine. Immer wieder ziehen Schauer durch.
Checkpoint 3 | 94km | Talsperre der Freundschaft | Maximale Beckentiefe
– 29m –
Der Anstieg zum Hirtstein fühlt sich dann fast winterlich an. Starker Regen, Nebel und oben zeigt das Garmin fröstelige 7 Grad. Aber es nützt nix, denn da oben wartet der nächste Checkpoint. Außerdem gibt es hier ein seltenes, geologisches Spektakel zu bewundern, das auch in gefrorenem Zustand beeindruckt: die Basaltfelsen, die sich hier auffächern sind Zeugnis einer bewegten Vergangenheit. Trotzdem gilt es keine Zeit verlieren, denn wer es wagt länger zu verweilen, friert einfach fest. Deshalb fix in die Schnitte gebissen , den Charakterbaum des Erzgebirges ins Brevetheft gezittert und weiter geht es.
Checkpoint 4 | 127km | Hirtstein Basaltfelsen | Wie heißt der Charakterbaum des Erzgebirrges?
– Voglbärbaam –

Foto: Lina M.






Foto: Lina M.





Richtung Olbernhau geht es nun viel bergab – und plötzlich scheint auch wieder die Sonne. Das tut dringend Not, denn die Hände sind mittlerweile durch Kälte und Nässe so blau wie der Himmel, den die Wolken nun fetzenweise wieder freigeben. Bei rund 150 Kilometern erreichen wir die letzte Tankstelle vor Freiberg. Einige Fahrer sammeln sich hier erneut und die beheizte Tankstelle wird zum beliebten Treffpunkt für alle, die sich nach Tee, warmem Kakao – und Notfallhandschuhen sehnen. Die Kassiererin ist mega nett und freut sich an der Metamorphose ihres Arbeitsplatzes von Tank- zu Heilstätte 😉




Foto: Lina M.
Hinter Olbernhau wartet noch einmal ein langer Anstieg, bevor das Ende langsam greifbarer wird. Die Untergründe sind aufgrund des vielen Regens eine Tortur für alle Schutzblechfahrer. Der Schlamm verbeißt sich förmlich zwischen Reifen und Schutzblech und erstarrt zu einer festen Masse, die sich nur schwer wieder raustreten lässt. Flüche hallen durch dunkle Fichtenwälder, aber es schreckt niemand, denn niemand sonst ist da 😀
Am letzten Anstieg vor Freiberg färbt sich der Himmel dann noch einmal spektakulär ein und liefert einen würdigen Abschluss für einen langen Tag im Erzgebirge. Wir sind froh, dass bei diesen Bedingungen alle gut und heil wieder in Freiberg angekommen sind. Es war uns wie immer ein Fest mit euch!
Checkpoint 5 | 200km | Bahnhof Freiberg | Foto der Bahnhofsuhr





Bis bald und allzeit gute Fahrt!
Euer Audmax-Team
